Rückblick auf die Woche der Gesundheit vom 19. bis 26. Oktober

Auch Konrektor Sebastian Schmidt hat nachgeschaut.
Kaum ein Thema wird gerade so viel diskutiert wie das Smartphone in Kinderhänden. In Bayern ist die private Nutzung an Schulen bis zur siebten Klasse seit diesem Schuljahr verboten. Überall wird über Altersgrenzen für soziale Medien gestritten, und an vielen Küchentischen wird über Bildschirmzeit verhandelt. Auch bei uns. Seit September bleiben die Handys vormittags in der Handygarage (wir haben berichtet). Damit ist aber erst ein Teil der Frage beantwortet. Felix aus der zehnten Klasse sagte dazu der Neu-Ulmer Zeitung: Vormittags habe man ohnehin nur kurz geschaut, „das hat vielleicht zehn Minuten ausgemacht“. Die eigentliche Bildschirmzeit beginnt nach der Schule.
Deshalb wollten wir im Rahmen der Woche der Gesundheit genauer hinschauen, und zwar zusammen mit unseren Schülerinnen und Schülern statt über sie. Am 19. Oktober durften die Smartphones zum ersten Mal seit Wochen wieder auf den Tisch. Die Aufgabe: Wie lange warst du gestern am Handy? Erst schätzen, dann in den Einstellungen nachschauen. Für manche war das Ergebnis eine echte Überraschung.
Eine Woche mit Checker Tobi
Zum Auftakt sahen alle Klassen die ARD-Doku „Schule ohne Smartphone“. Darin verzichtet Tobias Krell, vielen als „Checker Tobi“ bekannt, gemeinsam mit rund 100 Jugendlichen drei Wochen lang auf das Smartphone. Danach ging es um uns selbst: Wie viel Zeit verbringe ich am Bildschirm? Wie fühlt sich das an? Und was möchte ich ändern?
Jede Klasse setzte sich eine Challenge für die Woche. Die meisten nahmen sich den Abend vor: kein Smartphone ab 19 Uhr, eine Stunde vor dem Schlafen weglegen oder das Handy über Nacht aus dem Zimmer verbannen. Andere vereinbarten zwei Stunden am Tag, eine Stunde weniger als bisher oder den Verzicht auf die Lieblings-App. Eine fünfte Klasse liest seitdem jeden Tag zehn Minuten.
Was herauskam
Die Klassen haben ihre Werte anonym gesammelt. Das Bild ist deutlich:
- Knapp die Hälfte unserer Schülerinnen und Schüler verbringt mehr als vier Stunden am Tag am Smartphone. Etwa jede bzw. jeder Fünfte kommt auf über sechs Stunden. Das ist fast so viel wie ein ganzer Schultag.
- Nach einer Woche Challenge war es noch gut ein Drittel über vier Stunden.
- Besonders viel hat sich in einer achten Klasse getan, die sich gemeinsam ein Ziel von zwei Stunden am Tag gesetzt hatte. Dort sank der Anteil über vier Stunden deutlich.
- Die 7b hat ehrlich Bilanz gezogen: Zehn von fünfzehn haben ihre Zeit gesenkt, fünf lagen danach sogar höher.
Mindestens so wertvoll waren die Gespräche:
- Unter der Woche klappte die Challenge besser als am Wochenende.
- Manche gaben schnell auf, andere zogen konsequent durch.
- In einer fünften Klasse erzählten 15 Kinder offen, dass Zocken sie manchmal aggressiv macht.
Auch über die Regeln zu Hause wurde gesprochen. Manche Familien haben klare Absprachen: kein Handy am Esstisch, Schluss um 20 Uhr, Limits über Family Link. In anderen Familien wird das freier gehandhabt.
Natürlich ist das keine wissenschaftliche Studie. Die Zahlen beruhen auf Selbstauskunft, und Fernseher oder Spielkonsole sind darin gar nicht enthalten. Als ehrliche Momentaufnahme sprechen sie trotzdem eine klare Sprache.
Worum es eigentlich geht
Die Woche hat gezeigt: Mit Verboten allein ist es nicht getan. Ein Smartphone ist nicht schlecht. Aber viele Apps sind darauf gebaut, uns möglichst lange festzuhalten, und das gelingt ihnen gut, bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen. Endloses Scrollen, ein Video nach dem anderen, ständig ein Blick in den Chat: Das ist Zeit, in der wir vor allem konsumieren.
Eigentlich wissen wir das alle längst. Und doch hatten wir in dieser Woche manchmal den Eindruck, dass wir nicht so genau hinschauen wollen, Kinder wie Erwachsene. Die eigene Schätzung kann freundlicher ausfallen als die Zahl auf dem Display. Limits werden eingerichtet und dann umgangen. Und Regeln gelten gern für die anderen. Ein Umdenken ist deshalb nicht nur wünschenswert, es ist überfällig. Es beginnt mit einem ehrlichen Blick auf die eigene Nutzung.
Dabei geht es nicht um das Gerät, sondern darum, was wir damit tun. In unseren Tablet-Klassen arbeiten die Schülerinnen und Schüler täglich digital, aber mit klarem Auftrag: recherchieren, gestalten, üben, präsentieren.
Drei Anregungen, die sich in der Woche bewährt haben
- Selbst nachschauen: Wie hoch ist die eigene Bildschirmzeit? Spannend für Groß und Klein.
- Abends und nachts bildschirmfrei: Vielen hilft es, wenn das Smartphone nachts nicht im Kinderzimmer liegt.
- Regeln gemeinsam vereinbaren: Wer möchte, kann sie technisch unterstützen. Anleitungen für viele Geräte gibt es auf medien-kindersicher.de.
Eine Woche ändert keine Gewohnheiten, aber sie kann ein Anfang sein. Zum Halbjahr schauen wir gemeinsam mit SMV und Elternbeirat noch einmal genauer hin. Bis dahin möchten wir allen eine Empfehlung mitgeben:
Smartphone aus – Leben an.
Passiver Konsum aus – aktives Lernen an.
Herzlichen Dank an alle Klassen und Lehrkräfte, die mitgemacht haben!
Sebastian Schmidt
29. Oktober 2026