
Seit dem 15. September 2026 verbringen unsere Schülerinnen und Schüler den Schultag ohne Smartphone. Die Geräte werden morgens in gepolsterten, abschließbaren Handygaragen gesammelt und vor Unterrichtsende wieder ausgegeben. Das ist eine klare Regel – und aus unserer Sicht vor allem eine Entlastung.
Denn verboten war die private Handynutzung an unserer Schule auch vorher schon. Nur lag das Gerät eben trotzdem in der Tasche – und war damit den ganzen Tag präsent: als Versuchung, als heimlicher Blick, als Sorge, dabei erwischt zu werden. Genau das soll jetzt wegfallen. Ob es gelingt, entscheidet sich aber nicht an der Garage allein: Wir setzen bewusst auch auf Vertrauen und hoffen, dass unsere Schülerinnen und Schüler verstehen, worum es geht, und mitziehen.
„Ein Smartphone stört nicht erst, wenn es klingelt. Es reicht, dass es da ist“, sagt Schulleiter Dieter Lüke. „Eine große norwegische Untersuchung an fast 500 Schulen zeigt: Wo Handys tatsächlich abgegeben werden, sinkt das Mobbing und die Leistungen verbessern sich – und zwar deutlich stärker als dort, wo die Geräte nur lautlos in der Tasche bleiben mussten. Genau darauf setzen wir. Wir hoffen, dass wir das bei uns spüren: dass es weniger Grund gibt, die Stunde kurz zu verlassen, dass niemand mehr den Blick unter die Tischplatte richten muss – und dass sich unsere Schülerinnen und Schüler leichter auf eine Sache einlassen.“
Rückenwind aus München
Mit der Agenda „Digitale Balance im Alltag von Schülerinnen und Schülern“ hat die Bayerische Staatsregierung den rechtlichen Rahmen angepasst. Seit dem 1. August 2026 gilt bis einschließlich Jahrgangsstufe 7 ein generelles Verbot der privaten Nutzung digitaler Endgeräte im Schulgebäude und auf dem Schulgelände. Ziel ist ausdrücklich der Schutz jüngerer Kinder – vor Ablenkung, aber auch vor Inhalten und Dynamiken, denen sie noch nicht gewachsen sind.
Was ein Selbstversuch gezeigt hat
Wie sich so ein Verzicht anfühlt, hat die ARD-Dokumentation „Schule ohne Smartphone“ mit Tobias Krell untersucht. Rund 100 Jugendliche einer Schule verzichteten drei Wochen lang komplett auf ihr Handy, wissenschaftlich begleitet. Das deutlichste Ergebnis zeigte sich sofort: Schon nach dem ersten Tag berichteten die Jugendlichen, dass sie besser schliefen und ausgeruhter waren. Ehrlicherweise gehört dazu, dass die ersten Tage auch anstrengend waren – mancher griff reflexhaft in die leere Hosentasche.
Kein Widerspruch zur digitalen Schule
„Wir schützen unsere Schülerinnen und Schüler nicht dadurch, dass wir das Smartphone nur verbieten“, sagt Konrektor Sebastian Schmidt. „In unseren Tabletklassen üben wir den sinnvollen Einsatz digitaler Werkzeuge und reflektieren ihn gemeinsam. Beides gehört zusammen: Am Ende bekommen die Kinder das Gerät wieder in die Hand, und dann müssen sie damit umgehen können. Ein Verbot kann immer nur auf Zeit gelten.“
Und zu Hause?
Was wir in der Schule regeln, endet am Schultor. Wie viel Bildschirmzeit zu Hause guttut, entscheidet jede Familie für sich – und viele Eltern erleben das als tägliche Aushandlung. Wir sind überzeugt, dass Kinder davon profitieren, wenn Schule und Elternhaus in dieselbe Richtung arbeiten, und kommen darüber gerne mit Ihnen ins Gespräch.
Sebastian Schmidt
21. September 2026